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Lautstarke Proteste gegen Neonaziaufmarsch am 14.03.2018

Zusammen mit dem Bündnis Gemeinsam gegen Rechts Zweibrücken, der Partei Die Linke und dem Bündnis Buntes Zweibrücken haben wir am 14.03 zu einer Kundgebung gegen den Fackelmarsch der Kameradschaft „Nationaler Widerstand Zweibrücken“ aufgerufen. Um 17:30 versammelten sich erfreulicherweise über 100 Menschen auf dem Hallplatz. Durch Redebeiträge von Gemeinsam gegen Rechts, uns, der Solidarischen Rose, sowie der IG Metall Jugend wurde auf die Gefahren, die von Neonazis ausgehen aufmerksam gemacht und die Notwendigkeit des Protests gegen rechte Aufmärsche und Politik betont.

Gegen 18 Uhr beschlossen einige Personen sich Richtung Alexanderplatz in Bewegung zu setzen, um ihre Ablehnung auch in unmittelbarer Nähe der Nazis auszudrücken. Viele der Kundgebungsteilnehmer*innen schloss sich an.
Daraufhin wurde die Kundgebung von Gemeinsam gegen Rechts auf dem Hallplatz durch das Ordnungsamt aufgelöst. Dieses skandalöse und widerrechtliche Vorgehen zeigt erneut wie hart die Behörden in Zweibrücken gegen Nazigegner*innen jeder Couleur vorgeht. Die Fortsetzung der Kundgebung und damit eine bedeutende Anzahl von Redebeiträgen wurde so verhindert. Nach der Auflösung der Kundgebung folgten viele weitere Menschen der ersten Gruppe und protestiereten ebenfalls in Protesten in Hör- und Sichtweite der Nazidemonstration.

Auf Höhe des Schlossplatzes kam es dabei durch überfordert wirkende Polizist*innen zu körperlichen Angriffen mit Schlagstöcken auf die Spontandemonstration. Dabei wurde glücklicherweise niemand verletzt. Ein wesentlicher Teil der Spontandemonstration gelangte trotz dieser Attacke zum Alexanderplatz.

So konnten die Nazis schon bei ihrer Auftaktkundgebung durch Parolen, Trillerpfeifen und Transparente gestört werden. Bei ihrem anschließenden Fackelmarsch durch die Stadt wurden sie die ganze Zeit von lautstarkem Protest begleitet. Ein Teil der Antifaschist*innen schaffte es sogar auf die Route zu gelangen und so den Naziaufmarsch zumindest kurzfristig zu blockieren. Die Polizei machte allerdings schnell klar, dass sie den Aufzug der Nazis durchsetzen wollte und räumte die Blockade unsanft zur Seite.
Auch danach waren zwei Gruppen von Gegendemonstrant*innen in der Stadt unterwegs, die die Nazis bei ihrem weiteren Weg durch die Stadt störten. Die Abschlusskundgebung der Kameradschaft wurde ebenfalls durch Störaktionen von Antifaschist*innen beeinträchtigt.

Die Polizei hat mal wieder deutlich gemacht, dass der Feind für sie am 14.03. in Zweibrücken links steht.
Allerdings haben sich unsere Befürchtungen, dass nach den lächerlichen Verhaftungen im letzten Jahr und dem anschließenden Prozess die Polizei deutlich gewalttätiger und willkürlicher gegen Antifaschist*innen vorgeht zum Glück nicht bewahrheitet. Nach unserem Kenntnisstand wurde niemand ernsthaft verletzt und es gab auch keine Verhaftungen oder Ingewahrsamnahmen. Lediglich einige recht zweifelhafte Platzverweise wurden ausgesprochen.
Da die Einsatzkräfte aber intensiv die Gegenproteste abfilmten, kann es sein, dass es im Nachgang noch zu Anschuldigungen und Vorladungen kommt. Wenn ihr von Repressionen betroffen seid, die wir am 14.03 nicht mitbekommen haben oder noch Post von Behörden bekommt, nehmt Kontakt mit der Roten Hilfe oder anderen Antirepressionsstrukturen auf und meldet euch unbedingt bei uns! Mailadresse und PGP Key finden sich auf unserer Webseite unter der Kategorie Kontakt.

Insgesamt war der Tag für uns ein relativer Erfolg. Es waren trotz recht kurzer Mobilisierunsgzeit viele Antifaschist*innen in Zweibrücken. Außerdem haben sich zahlreiche Menschen den Protesten in direkter Nähe des Fackelmarsches angeschlossen und so die Nazis effektiv in ihrer Selbstinszenierung gestört. Obwohl die Polizei klarmachte, dass sie den Naziaufmarsch ohne Kompromisse durchsetzen würde, ist es uns sogar gelungen die Nazis für kurze Zeit zu blockieren.
Alles in allem war es der stärkste Protest gegen den Aufmarsch des „Nationalen Widerstands Zweibrücken“ seit Jahren.
Wir möchten uns nochmal bei allen bedanken, die da waren und uns unterstützt haben.

Kein ruhiges Hinterland für Nazis!

Am 14.3.2018 Nazis blockieren

Am 14.3.2018 wollen die Neonazis vom Nationalen Widerstand Zweibrücken durch Zweibrücken ziehen, um dabei in geschichtsrevisionistischer Weise der Bombardierung Zweibrückens im 2. Weltkrieg zu gedenken. Dabei leugnen sie die deutsche Kriegsverbrechen und verdrehen die Geschichte in widerlicher Weise.
Für uns ist es klar, dass wir dies nicht widerspruchslos hinnehmen werden und gemeinsam mit anderen Parteien, Initiativen und engagierten Einzelpersonen dem Naziaufmarsch einen lauten, entschlossenen und bunten Protest entgegen setzen.

Kommt am 14.3. mit uns auf die Straße und lasst uns zeigen, dass Nazis in Zweibrücken uns sonstwo nicht willkommen sind.

Wir rufen hiermit zur Teilnahme an der Kundgebung des Bündnis „Gemeinsam gegen Rechts Zweibrücken“ auf. Treffpunkt ist um 17:40 auf dem Hallplatz.

Alerta Antifascista!

Nazis blockieren

Veranstaltungsrückblick: Filmvorführung „Blut muss fließen“ mit Regisseur Peter Ohlendorf am 06. März 2018 in Zweibrücken

Am Dienstag, 6. März, fand im Gasthaus Sutter in Zweibrücken die Vorführung des Dokumentarfilms „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ statt. Zu diesem Anlass war auch der Regisseur Peter Ohlendorf anwesend. Der Film wurde das erste Mal in Zweibrücken gezeigt. Etwa 40 Interessierte kamen der Einladung ins Gasthaus Sutter nach.

Für die Filmrecherche war der Journalist Thomas Kuban über Jahre unterwegs in der Rechtsrockszene. Dabei filmte er mit versteckter Kamera europaweit auf Nazi-Konzerten. Das Lied, welches auch dem Film seinen Titel gibt, begegnete ihm dabei immer wieder. In den Zeilen „Blut muss fließen, knüppelhageldick und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik“ wird die Menschenverachtung und der brutale Antisemitismus der Konzertbesucher deutlich. Der Film zeigt auch, dass es sich bei diesen Menschen nicht um harmlose Musikhörer mit verirrtem Geschmack handelt, sondern um gewaltbereite Neonazis.

Im Kontrast zu diesen Szenen reiste der Journalist bei Tageslicht an dieselben Orte, sprach mit lokalen Initiativen und Behörden, die sich mit den Akteuren rund um die Konzerte auseinandersetzen. Dabei wird aufgezeigt, dass es auch bürgerlichen Gruppierungen möglich ist, diesen Problemen im regionalen Rahmen ein Ende zu bereiten. Erschreckend ist dabei wie insbesondere auf institutioneller Ebene die Probleme zu Einzelfällen heruntergespielt und verharmlost werden.

Dass auch im Zweibrücker Umland solche Konzerte stattfinden, zeigte im Anschluss an den Film die Brisanz des Themas. So besitzt die Kameradschaft Nationaler Widerstand Zweibrücken ein Grundstück zwischen Kirrberg und Bechhofen, das regelmäßig für Musikveranstaltungen genutzt wird. Auch im nahegelegenen Frankreich finden immer wieder Konzerte statt um dem Druck von Antifa und Behörden auszuweichen.
Jedoch sollte das Versagen der Behörden nicht zur eigenen Untätigkeit führen. Was die Zivilgesellschaft denn dagegen tun kann? Jede Möglichkeit nutzen, um sich den Nazis und ihren menschenverachtenden Ideologien in den Weg zu stellen!

Wir bedanken uns bei unseren Partnern der Rosa Luxemburg Stiftung Rheinland-Pfalz, dem Crithink! e.V. sowie der Antifa Saar/Projekt AK für die Unterstützung und die angenehme Zusammenarbeit.

Vortrag: Was ist eigentlich Kapitalismus? Mit Lothar Galow-Bergemann

Am 8.12. laden wir von der Solidarischen Rose alle interessierten Menschen um 19 Uhr ins Jugendzentrum PWerk nach Blieskastel ein.
Gemeinsam mit der Antifa Saar und der Heinrich-Böll-Stiftung-Saar haben wir einen Vortrag mit Lothar Galow-Bergemann zum Thema „Warum kann die Politik diese Krise nicht stoppen – oder: Was ist eigentlich Kapitalismus?“ organisiert.

Die Krise, die 2008 mit dem Zusammenbruch eines renommierten Bankhauses begann, will bis heute nicht enden. Internationale Krisengipfel sind zur Normalität geworden, einen wirklichen Ausweg finden sie nicht. Die Politik vermag hin und wieder ein paar Löcher zu stopfen, doch regelmäßig reißen neue auf. Mit Perspektivlosigkeit und Zukunftsängsten vieler Menschen verbreiten sich einfache und gefährliche Erklärungsmuster. Wahlweise geben sie „unfähigen Politikern“, „gierigen Bankern“, „faulen Griechen“ oder gleich allen zusammen die Schuld an der Krise. Autoritäre, nationalistische und faschistoide Bewegungen werden nach oben gespült. Doch auch die liberalen Verteidiger der westlichen Demokratie hängen der Illusion an, man müsse eben nur „die richtige Politik“ machen. Genauso wenig wie ihre autoritären Widersacher hinterfragen sie die Grundlagen der herrschenden Wirtschaftsweise. Die Krise gibt es aber nicht etwa deswegen, weil sich Banken, Gewerkschaften, Unternehmerverbände
und Politik falsch verhielten, sondern weil sie das tun, was kapitalistisch richtig ist. Es handelt sich um die Systemkrise des Kapitalismus. Warum sind die Banken „systemrelevant“ und nicht die Menschen? Warum wird der Finanzsektor immer größer? Warum führt Produktivitätsfortschritt nicht zu einem besseren Leben für alle? Warum müssen wir dem Fetisch Wachstum dienen? Wer nur „die Politik“ kritisiert, wird darauf keine Antworten finden. Kritik der Ökonomie ist angesagt. Den Kapitalismus versteht nur, wer etwas von dem versteht, was ihm seinen Namen gibt – vom Kapital. Der Referent beleuchtet grundlegende Funktionsweisen des Kapitalismus und wirft dabei auch einen kritischen Blick auf allerlei Oberflächliches und Reaktionäres, das sich für „kapitalismuskritisch“ hält.

Lothar Galow-Bergemann war langjähriger Personalrat in zwei Großkliniken und schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf emafrie.de

Der Eintritt ist frei. Im Anschluss könnt ihr gerne Fragen stellen, diskutieren und den Abend gemeinsam mit uns gemütlich ausklingen lassen.

Flyer zum Download

Zur Kritik der deutschen Erinnerungskultur und der Gedenkveranstaltung am 9.11.

Die vollständige Ausrottung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus in Zweibrücken ist der Stadt kaum eine Erwähnung wert. Die Erinnerung an die verschleppten, zur Flucht gezwungenen oder ermordeten Zweibrücker Familien findet praktisch nicht statt. Lediglich eine abgetretene Messingtafel vor dem Schloss und eine Hinweistafel vor dem Platz, an dem früher die Synagoge stand, erinnern daran, dass es hier einmal jüdisches Leben gegeben hat.
Warum wir uns als Solidarische Rose trotzdem nicht der Gedenkveranstaltung am 9.11. zur Reichspogromnacht anschließen, möchten wir im Folgenden ausführen.

Für die Veranstalter vom Bündnis Buntes Zweibrücken scheint es kein Widerspruch zu sein, unter anderem Vertreter der Stadt einzuladen, die regelmäßig am Volkstrauertag eine Veranstaltung durchführt, bei der auch den Mördern der nationalsozialistischen Wehrmacht gedacht wird.
Der Aufwand der jährlich stattfindenden Ehrungszeremonie, stellt den heutigen Abend und damit die Erinnerung an die tatsächlichen Opfer des Nationalsozialismus in den Schatten. Die Prioritätensetzung scheint somit klar. Auch dass man am Volkstrauertag der Kameradschaft Nationaler Widerstand Zweibrücken eine Bühne lässt ihr geschichtsrevisionistisches „Heldengedenken“ abzuhalten, scheint niemanden zu empören.

Die Wehrmachtsoldaten, denen am Volkstrauertag gedacht wird, waren ebenso Teil der deutschen Volksgemeinschaft wie jene Zweibrücker, die in der Nacht vom 9. November 1938 auf den Straßen tobten.
Jüdische Geschäfte wurden zerstört und geplündert, die Waren auf die Straße geworfen, Menschen verhaftet und deportiert. Die Zweibrücker Synagoge wurde am 10. November niedergebrannt. Vormals scheinbar akzeptierte jüdische Bürger Zweibrückens wurden bedroht und im Nachgang boykottiert. Vielen Familien blieb nur noch die Auswanderung, um nicht in den Ruin getrieben zu werden. Wer die Stadt nicht rechtzeitig verließ, wurde deportiert und umgebracht. Zweibrücken war das erste Gau, das verkünden konnte „judenfrei“ zu sein.

Selbstverständlich bleibt es notwendig diese Verbrechen in Erinnerung zu rufen, aber nicht so formelhaft und leer wie es bei den meisten Gedenkveranstaltungen Praxis ist. Die staatlich geförderte und praktiziere Form des Erinnerns motiviert nicht zur kritischen Reflexion über die historischen Entstehungsgründe des Nationalsozialismus oder die Nähe des eigenen Selbst zum NS. Die deutsche Erinnerungskultur tritt von vornherein mit einem moralischen Gestus auf, der behauptet ein bloßes Erinnern an die Verbrechen verhindert eine Wiederholung derselben.
Im Zentrum stehen also nicht Entschädigung der Opfer oder der dringend notwendige Kampf gegen Antisemitismus, sondern die Wiederherstellung der eigenen (deutschen) Identität und die Inszenierung als „Wiederaufarbeitungsweltmeister“.
Die so entstandene Erinnerungskultur produziert dann ein Holocaust-Mahnmal in Berlin „wo man gerne hingeht“ (Gerhard Schröder) und um das „in anderen Ländern manche die Deutschen beneiden“ (Eberhard Jäckel). Mit einem empathischen Gedenken an die Opfer und einem wirklichen Lernen aus der Geschichte hat all das nichts zu tun.
Forderungen nach finanzieller Entschädigung, wie sie enteigneten Aktionäre des Berliner Zoos oder griechische Opfer von Wehrmachtsmassakern formulieren, werden dagegen ignoriert. Stattdessen werden Gedenktafeln gebaut und Austauschprogramme oder „Zukunftsstiftungen“ eingerichtet. Wichtig ist es, dass die „Projekte“ einen kulturellen Mehrwert haben, der deutlich sichtbar ist, um daraus eine moralische Deutungshoheit über die Geschichte ableiten zu können und den Rest der Welt über einen richtigen Umgangmit dem Faschismus zu belehren.

Erinnerungskultur darf nicht bei toten Jüdinnen und Juden stehen bleiben, sondern muss sich entschieden gegen jede Form antisemitischer Agitation stellen. Dabei geht es nicht nur um den plumpen Antisemitismus von Neonazis oder Islamisten, sondern auch um den Antisemitismus der feinen Gesellschaft, der mal in schuldabwehrender oder antizionistischer Manier daher kommt. Folglich gehören Kameradschaften wie der Nationale Widerstand Zweibrücken ebenso mit allen notwendigen Mitteln gestoppt, wie der als „Israelkritik“ getarnte Antisemitismus deutscher Journalisten.

„Dass Auschwitz nicht noch einmal sei“ (Adorno) – ist nur umzusetzen, wenn die Motive, die dazu geführt haben verstanden und bekämpft werden!

Solidarische Rose im November 2017

Weiterführend dazu:
Theodor Adorno: „Erziehung nach Auschwitz“
70 years Kampagne: „The aftermath of the allied triumph over germany“