Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 14. März

No tears for krauts!

Am 14. März 2017 ruft die Neonazi-Kameradschaft Nationaler Widerstand Zweibrücken zu einem sogenannten Trauermarsch in Zweibrücken auf. Anlass ist die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten im Jahr 1945.
Der Nationale Widerstand Zweibrücken ist eine der am längsten bestehenden extrem rechten Gruppierungen in Rheinland-Pfalz. Über 10 Jahre konnten sie ihren Aufmarsch weitgehend unbehelligt durchführen. Damit gehört dieser zu den kontinuierlichsten neonazistischen Veranstaltungen in der Region.

Im letzten Jahr konnten wir von der Solidarischen Rose Zweibrücken kurzfristig eine Kundgebung organisieren, zu der fast 100 Menschen kamen. Dadurch wurde der Ablauf des Aufzugs zumindest etwas gestört.
Dieses Jahr haben wir uns besser organisiert und hoffen dem Naziaufmarsch eine entschlossene antifaschistische Gegenwehr liefern zu können.

Im Folgenden wollen wir einen kurzen Überblick über die Aktivitäten und das Umfeld des Nationalen Widerstands Zweibrücken liefern, sowie eine erste Kritik am deutschen Opfermythos formulieren, der nicht allein von Neonazis getragen wird.

Der Nationale Widerstand Zweibrücken

Die Nazis des Nationalen Widerstands Zweibrücken (NWZW) um Detlef Walk sind überregional gut vernetzt. So stellten sie etwa am „Tag der Heimattreue“ 2016 in Bruchsal den Lautsprecherwagen und waren beziehungsweise sind im Rest Deutschlands immer wieder auf rechten Demos anzutreffen, zuletzt am 11. Februar bei einem Naziaufmarsch in Dresden.

Der Aktivismus der Zweibrücker Kameradschaft beschränkt sich allerdings nicht allein auf die Teilnahme an Demonstrationen. Die NWZW-Mitglieder Detlef Walk und Andreas Fröhlich waren Teil der inzwischen verbotenen Weiße Wölfe Terrorcrew (WWT). Die WWT entstand 2008 aus dem Umfeld der Neonazi-Band Weiße Wölfe und propagierte von Anfang an eine militante Durchsetzung ihrer Ideologie. Sie wird für mehrere gewalttätige Angriffe auf Linke und nicht-weiße Menschen verantwortlich gemacht. Walk und Fröhlich übernahmen zum Teil führende Positionen in dieser Organisation.
Für den Nationalen Widerstand Zweibrücken sind außerdem Kontakte zum glühenden Antisemiten Burghard Bangert belegt. Bangert führte 2015 bei der jährlichen Sommersonnenwendfeier der Kameradschaft „druidische Rituale“ durch und nahm wenige Tage später gemeinsam mit dem NWZW an einer Kundgebung für den verurteilten Holocaustleugner Horst Mahler teil. Bangert wurde Ende Januar wegen des Verdachts der Gründung einer terroristischen Vereinigung festgenommen. Die etwa siebenköpfige Gruppe hatte Waffen- und Munitionsvorräte angelegt und Anschläge auf jüdische Menschen und Polizeibeamt*innen geplant.

Diese Nazibande hat es sich also im ruhigen Zweibrücker Hinterland gemütlich eingerichtet und kann seit Jahren relativ ungestört ihren Tätigkeiten nachgehen. So gehören Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Antifaschist*innen und Andere zum Alltag. Zuletzt ist in diesem Zusammenhang in Zweibrücken und Umgebung das massive Sprühen von Hakenkreuzen beobachtet worden. Auch an der Hetze gegen Geflüchtete beteiligt sich der Nationale Widerstand Zweibrücken aktiv.

Nun soll also am 14. März 2017 erneut ein Fackelmarsch in Zweibrücken stattfinden.
Dort stellt der Nationale Widerstand Zweibrücken Deutsche als die eigentlichen Opfer des Zweiten Weltkriegs dar, deutet die Geschichte zu seinen Gunsten um und leugnet jeden Grund, der zur Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten führte.
Dabei propagieren sie das Bild einer unschuldigen deutschen Zivilbevölkerung und feiern die Täter*innen von Wehrmacht, SS, SA und NSDAP. Die Verbrechen, welche all jene trafen, die nicht der „deutschen Volksgemeinschaft“ angehörten, werden relativiert. Geschichts-revisionist*innen schaffen sich so einen Mythos, der aus deutschen Täter*innen Opfer macht.

Dabei wurde die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gerne Teil der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. So stimmten etwa im Saarland bei der sogenannten Saarabstimmung von 1935 über 90% für den Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland und Zweibrücken war das erste Gau, das stolz verkünden konnte „judenfrei“ zu sein.
Ein breiter und wirksamer Widerstand gegen die nationalsozialistische Politik fand nicht statt.

Abgesehen von dieser Begeisterung für den Nationalsozialismus war Zweibrücken auch ein strategisch wichtiges Ziel.
Das Bahnnetz diente dem Transport von rüstungsrelevanten Rohstoffen, Rüstungsgütern sowie der Verlegung der Wehrmachtssoldaten.

Die Luftwaffe der Alliierten bombardierte Zweibrücken und andere deutsche Städte um die nationalsozialistischen Verhältnisse und die damit verbundene Barbarei zu beenden.
Das ist für Neonazis ein Grund zu trauern – für uns nicht.

Die „gute Mitte“

Doch das Problem sind nicht nur die Nazis, sondern auch der Umgang der sogenannten Mitte der Gesellschaft mit dem Nationalsozialismus.

Die lange Zeit dominierende Form der deutschen Gedenkpolitik leugnete zwar nicht unbedingt die Täterschaft, betonte aber immer wieder das Deutsche auch Opfer des Krieges gewesen seien. Der Zweite Weltkrieg kann allerdings nicht als isoliertes historisches Gewaltphänomen beschrieben werden, in dem es Opfer auf allen Seiten gegeben hätte. Dies würde zu einer Gleichsetzung des alliierten Bombenkrieges gegen Deutschland mit den Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik führen. Zu betonen ist vielmehr, dass es die Deutschen waren, die den Zweiten Weltkrieg als dezidierten Vernichtungskrieg vom Zaun brachen, ganze Städte zerstörten und den „Totalen Krieg“ herbeisehnten.

Dass diese Form eines deutschen Opfermythos auch heute noch nicht ganz verschwunden ist, zeigte beispielsweise die evangelische Militärpfarrerin Brigitte Bommarius in ihrer Rede am Volkstrauertag 2016. Dabei zog sie einen absurden Vergleich von Wehrmachtssoldaten mit den bei einem islamistischen Terroranschlags im Bataclan in Paris Ermordeten. (vgl.: thof (14.11.2016): „Gedenkfeier zum Volkstrauertag gestört“. In: Die Rheinpfalz. Nr. 265.)

Die deutsche Erinnerungskultur hat sich allerdings in den letzten Jahren enorm gewandelt. Spätestens seit der Rede Richard von Weizäckers am 8. Mai 1985 wird von der Befreiung Deutschlands gesprochen. Diese Formel verdeckt allerdings den historischen Sachverhalt. Der Sieg der Alliierten wurde keineswegs als Befreiung empfunden – Nicht die Deutschen wurden von den Nazis befreit, sondern die Welt von den Deutschen. Der inzwischen Konsens gewordene Tenor einer Befreiung suggeriert, dass ein großer Teil der Deutschen nicht „mitgemacht“ hätte und ermöglicht eine intensive Bezugnahme auf einen in Wirklichkeit marginalen deutschen Widerstand.

Die deutsche Gedenkpolitik schafft es auf infame Weise die moralische Läuterung zu betonen indem die konkrete Täterschaft nicht allzu genau benannt wird. Auf die Verbrechen des Nationalsozialismus wird in einer abstrakten Form hingewiesen. Dabei bleibt meistens unklar, wer diese Verbrechen verübt hat. So ist man in der Lage an die Untaten zu „erinnern“ und eine „Verantwortung“ zu betonen, ohne allerdings wirkliche Konsequenzen zu ziehen. Während die finanzielle Entschädigung der NS-Opfer eine hohe Hürde darzustellen scheint, ist man hingegen gerne bereit die Mittel für Gedenktafeln, Museen oder ähnliches mit „kulturellem Mehrwert“ zur Verfügung zu stellen. Aktuelle Beispiele sind etwa die jüdischen Zooaktionär*innen oder die Entschädigungsforderungen griechischer NS-Opfer.

Während früher ein nicht geringer Teil der Deutschen die Verbrechen des Nationalsozialismus beharrlich verschwieg oder leugnete, ist man heute stolz auf die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Aus der militärischen Niederlage wurde ein moralischer Sieg. Die „wiedergutgewordenen Deutschen“ (Eike Geisel) ziehen aus der „Bewältigung der Geschichte“ die Berechtigung das moralische Gewissen der Welt zu spielen. Ganz in diesem Sinne warnte Oberbürgermeister Kurt Pirmann am Volkstrauertag 2016 auf dem Zweibrücker Ehrenfriedhof mit Blick auf die Gräber deutscher Soldaten aus zwei Weltkriegen: „Wenn sie (sic!) sich die Wahlentscheidungen in Amerika ansehen und das, was in den letzten Tagen durch die Medien ging, dann müssen wir fragen: Wie wachsam müssen wir sein?“ (zitiert nach: thof (14.11.2016): „Gedenkfeier zum Volkstrauertag gestört“. In: Die Rheinpfalz. Nr. 265.)

Auch wegen diesen Zuständen in der „Mitte“ organisieren wir diese Demonstration unter dem Motto „no tears for krauts“.

Die Demonstration

Wir, die Solidarische Rose Zweibrücken, rufen am 14.03.2017 zu einer kraftvollen und entschlossenen Demo gegen den deutschen Opfermythos und zum anschließenden Protest gegen die Neonaziveranstaltung auf!
Die Demonstration beginnt um 17:00 am Bahnhof in Zweibrücken. Nach Redebeiträgen und einer Route durch die Zweibrücker Innenstadt werden wir uns am Schlossplatz den Protesten gegen den Fackelmarsch, welcher um 18 Uhr beginnt, anschließen.

Für die Ermittlungsausschuss- und Infotelefonnummer achtet auf die Ankündigungen im Internet oder die Durchsagen vor Ort. Eine Aktionskarte wird noch veröffentlicht.
Sagt euren Freund*innen Bescheid, bildet Bezugsgruppen, passt aufeinander auf und lasst uns gemeinsam und solidarisch ein Zeichen gegen den deutschen Opfermythos und Neonazis setzten.

No tears for krauts!

Solidarische Rose Zweibrücken Februar 2017

Aufruf als PDF

Link zur Facebook Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/221259821680313/?ref=ts&fref=ts


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